Edgar hieß der große Bruder eines der ersten Freunde des Autors. Da lag dann immer der infantile Wortwitz “Edgar fährt Kettcar” nahe, wofür es dann von Edgar auch prompt eine auf die Mütze gab. Gehört sich ja auch so, wenn der Kleine den Großen verarschen möchte.
Um diesen Edgar geht es heute aber nicht und hier verarscht auch nicht der Kleine den Großen, sondern vice versa. Der Edgar dieser Geschichte ist heute 6 Jahre alt und lebt in Mexiko. Wenn es nach manchen Genforschern geht, dann hat dieser Edgar Glück gehabt, dass er überhaupt so alt geworden ist.
Dieser Edgar is nämlich Patient Zero der Schweinegrippe. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch, das war diese Influenzapandemie von vor ein paar Monaten, für die Katastrophenpläne geschmiedet wurden und weswegen heute noch in des Verfassers Firma Desinfektionsmittel auf den Toiletten bereit stehen. Seither wissen wir auch, dass man seine Hände 20-30s lang, auch zwischen den Fingern (!!!), waschen muss. Oliver Pocher hatte die Schweinegrippe und war live im Fernsehen. Ansonsten kennt der Autor nicht viele Menschen, die an der mutierten Mischung aus Vogel-, Schweine- und Humangrippe erkrankt sind.
Aber was war da eigentlich genau los?
Paralysiert von den Geschichten über Sars, Ebola und die Vogelgrippe* war natürlich sofort klar: Dieser neue Virus wird übel. Wenn auch nur die Hälfte der Menschheit überlebt, haben wir wahnsinniges Glück gehabt. So war jedenfalls der Tenor in den Medien. Aber die Überlebenden, zusammen mit dem kleinen Edgar, werden infolge der zusammengebrochenen Wirtschaft, nicht mehr viel Freude haben. Ok, die Wirtschaft ist wirklich irgendwie zusammengebrochen und ja, das hatte auch irgendwie was mit Schweinen zu tun, aber ein Industriebereich war davon eigentlich gänzlich unberührt – die Pharmaindustrie.
Die folgende Chronologie ist eine verkürzte Form eines auf spiegel.de erschienenen Artikels zum Verlauf der Schweinegrippehysterie:
24.04.2009: Die Vorsitzende der US-Seuchenbehörde CDC alarmiert den Grippeexperten der WHO (“Welt-Hysterie-Organisation”) über eine neue Grippe. In der folgenden, eher diffusen Situation gründet die Pharmaindustrie die European Scientific Working Group on Influenza, deren einziger Zweck die Verbreitung von Paranoi… ähh Informationen zur neuen Grippe ist.
27.04.2009: Die WHO ruft Pandemiewarnstufe 4 aus. Das Virus wird also in mindestens einem Land von Mensch zu Mensch übertragen. Zur Erinnerung: Eine Pandemie bezeichnet das weltumspannende Auftreten einer ansteckenden und im Verlauf möglicherweise tödlichen Krankheit, also Dinge wie Masern, Röteln, Bienenstiche und herabfallende Dachziegel. In Beamtensprach auch “eine lang anhaltende, länderübergreifende Großschadenslage”. Hört sich irgendwie an wie Hagel, oder?
28.04.2009: Die Schweinegrippe wird in Deutschland vermutet.
29.04.2009: Pandemiestufewarnstufe 5 wird verkündet. Die Spannung steigt, nur noch eine Stufe zur Pandemie fehlt!
30.04.2009: In Ägypten werden sämtliche Hausschweine getötet.
10.06.2009: 141 Menschen sind inzwischen an der Schweinegrippe gestorben. Pro Jahr sterben alleine in Deutschland mehr Menschen an der “normalen” Influenza.
30.06.2009: Die WHO beschließt, das Virus sei unberechenbar und ruft die Pandemiestufe 6 aus. Sie ist also da. Wir werden alle sterben. Das Problem mit Stufe 6 ist, sie sagt nur aus, dass sich ein Virus unkontrolliert verbreitet, aber nicht, wie gefährlich der Virus ist. Pro Jahr haben wir also viele Schnupfenpandemien, da aber Nasivin nicht soviel kostet wie eine Schweinegrippeimpfung, ist das nicht so wichtig.
Gegen Schnupfen kann man ja auch nicht impfen, gegen die Grippe schon. Viele Industrienationen, auch Deutschland, haben irgendwann mal entschieden, dass sie, sobald Stufe 6 ausgerufen wird, automatisch Impfstoff der GSK (GlaxoSmithKline) für ihr Volk kaufen. Sozusagen ein “On-Demand-Money-Generator” der Pharmaindustrie. Schon zwei Monate vorher hat ein gewisser Herr Anderson, Berater der britischen Regierung, versucht Stufe 6 auszurufen. Herr Anderson bekommt pro Jahr 130.000€ Honorar von der GSK. Diese Firma hat die dt. Gesundheitsministerin bereits Mitte Juni 2009 an ihre Kaufzusage im Fall von Stufe 6 erinnert.
14.07.2009: Es gibt 727 Infizierte in Deutschland, keiner leidet an spontaner Mortalität in Folge der Erkrankung. Zu diesem Zeitpunkt hat die dt. Regierung bereits Impfstoff für 500.000.000 Euro geshoppt. Dieser Impfstoff wurde zum selben Zeitpunkt zwar noch nicht ausgiebig an Menschen getestet, aber immerhin ist Wahlkampf und “jeder Bürger, der geimpft werden will, soll auch eine Impfung erhalten”. Blöd nur, dass das bis dato nur 13% sind. Kurz gerechnet: 13% von rund 80 Millionen sind run 10 Millionen. Man weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob man für eine Impfung eine oder zwei Dosen braucht, aber man hat ja genug eingekauft und viel hilft bekanntlich viel. Macht der Autor auch so nach dem Suff, zwei Aspirin sind besser als eine!
21.10.2009: Die Bild zitiert einen “Schweinegrippe-Professor”, der vor 80.000 Toten warnt. 80.000 dürfte auch mindestens dem Betrag entsprechen, den dieser Professor laut eigener Aussagen von den Firmen erhält, die Tamiflu und den Schweinegrippenimpfstoff herstellen.
26.01.2010: Die Pharmafirmen haben durch den Verkauf von Impfstoffen und Tamiflu 18.000.000.000 € verdient. Pandemie war aber irgendwie nicht. Macht ja nix, Vorsorge ist besser als kein Geld!
05.03.2010: 10.000.000 Dosen des Impfstoffes sollen an Pakistan verkauft werden.
Die einzigen, die in Europa keinen Impfstoff gekauft haben, sind übrigens die Polen. 171 Menschen sind dort an der Schweinegrippe gestorben. Das sind weniger als jedes Jahr an der “normalen” Influenza.
Edgar geht es heute wieder gut und die Menschheit hat überlebt. Nur der Autor hat diesen seltsamen Schnupfen und muss dauernd niesen. Das ist aber wohl nur die Allergie gegen massiven Bullshit…
Und in der nächsten Woche: Die Null – von Indien in den Irak, oder wie eine vermeintlich gottlose Zahl zur Anzahl der Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein wurde.
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